Kurzinterview: Kaum eine Branche ist so international, abwechslungs- und perspektivenreich wie die Logistik

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Die Logistik berichtet immer mehr von Schwierigkeiten Fachkräfte einzustellen. Wie geht Hellmann Worldwide Logistics mit diesem Problem um? Sven Eisfeld, Managing Director Germany, ist der Meinung, Unternehmen sollten vor allem selbst aktiv werden und nicht auf die Politik warten. 

Kurzinterview: Kaum eine Branche ist so international, abwechslungs- und perspektivenreich wie die Logistik
Foto:Hellmann Worldwide Logistics

Natalia Jakubowska, Trans.iNFO:Europaweit klagen Unternehmen über Fachkräftemangel. Betroffen ist auch die Transport- und Logistikbranche. Welche Erfahrungen haben Sie mit diesem Thema?

Sven Eisfeld, Managing Director Germany, Hellmann Worldwide Logistics: Das Thema Fachkräftemangel betrifft natürlich auch Hellmann, da geht es uns wie allen anderen Unternehmen. Es wird immer schwieriger, offene Stellen zu besetzen – in gewerblichen Berufen ebenso wie in kaufmännischen. Fachkräfte sind seit einigen Jahren überall knapp. Hinzu kommt, dass die Transportbranche aktuell einen ganz besonders hohen Bedarf an qualifizierten Arbeitnehmer*innen hat. Denn die Aufgaben der Logistik werden in Zeiten der Corona-Pandemie, aber auch aufgrund der aktuellen politischen Entwicklungen immer komplexer und damit aufwändiger. Jeder einzelne Auftrag ist deshalb mit sehr viel mehr Arbeit verbunden. Dafür brauchen wir mehr Fachkräfte, die aktuell leider nur schwer zu gewinnen sind.

Macht die Politik Ihrer Meinung nach genug? Welche politischen Strategien könnten das Problem langfristig lösen?

Ich bin der Meinung, dass hier in allererster Linie die Unternehmen selbst aktiv werden müssen und nicht auf die Politik warten sollten. Wir als Branche haben aus meiner Sicht sehr viel Einfluss und können vor allem viel schneller und gezielter agieren als politische Institutionen.

Und was können Unternehmen machen, damit die Berufe in der Transport- und Logistikbranche wieder ein wenig attraktiver werden?

Die Herausforderung besteht aus meiner Sicht nicht darin, dass die Berufe nicht attraktiv sind – ganz im Gegenteil: Kaum eine Branche ist so international, abwechslungs- und perspektivenreich wie die Logistik. Das Problem ist vielmehr, dass kaum einer davon weiß, da das Image unserer Branche immer noch etwas verstaubt und somit wenig attraktiv ist. Hier müssen wir aktiv werden und uns als Branche und Arbeitgeber viel moderner, innovativer und digitaler präsentieren. Wir haben viel zu bieten und das sollten wir auch offensiv nach außen stellen.

Wie sieht bei Ihnen im Unternehmen der Wettbewerb um junge Leute aus?

Wir schenken dem Thema Recruiting viel Aufmerksamkeit – über alle Altersklassen hinweg. Aber natürlich sind gerade junge Abreitnehmer*innen für die langfristige Zukunftsfähigkeit des Unternehmens ganz besonders wichtig. Deshalb investieren wir viel in diese Zielgruppen. Das Thema Recruiting ist hier sicherlich wichtig, ebenso entscheidend ist es aber, Kolleg*innen auch langfristig ans Unternehmen zu binden. Letztendlich geht es immer darum, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen und ein attraktives Arbeitsumfeld zu schaffen. Das tun wir bei Hellmann. Im Bereich Ausbildung bieten wir unseren Nachwuchskräften beispielsweise an, im Rahmen eines Erasmus-Programms ins Ausland zu gehen. So sind aktuell viele unserer Auszubildenden in Europa unterwegs und in verschiedenen Landesorganisationen tätig.

Wie wird sich der Arbeitsmarkt in der Transport- und Logistikbranche in Zukunft entwickeln?

Logistik ist ein „People Business“. Das heißt, unser Unternehmenserfolg – wie auch der unserer Marktbegleiter – hängt ganz wesentlich von unseren Leuten ab. Das wird sich auch im Zeitalter der Digitalisierung nicht ändern. Das Thema Fachkräftemangel wird uns deshalb auch künftig begleiten und womöglich noch herausfordernder werden. Am Ende werden sich am Markt die Unternehmen durchsetzen, die ihre Mitarbeiter*innen als tragende Säule ihres Unternehmenserfolges verstehen und die Personalpolitik entsprechend gestalten.

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